Müll minimieren mit Menschenverstand

Müll

Klingt jetzt präpotenter als beabsichtigt…egal. Der Inhalt zählt: Müll reduzieren! Diese Lebenseinstellung hat auch einen Namen: Zero Waste BewegungAuf deren Website findet man z.B. auch einen Erfahrungsbericht einer Wienerin, die ein müllfreies Leben anstrebt. Ganz so extrem schaff ich es nicht, aber hier sind Gedanken und Ideen, wie ich zumindest dieselbe Richtung versuche einzuschlagen.

Plastiksackerl vermeiden

Ein Klassiker in der Müllvermeidung: ich hab in meiner Handtasche immer ein Stoffsackerl für etwaige Einkäufe dabei. Sollte es mal doch nicht zu vermeiden sein ein Plastiksackerl nach Hause zu schleppen, dann verwende ich sie als Müllsäcke für Restmüll. Ich kann mich zumindest nicht erinnern jemals für meinen eigenen Haushalt Müllsäcke gekauft zu haben – ich verwende immer gebrauchte Einkaufssackerl. Papier, Plastik, Glas und Metall landen gleich so wie sie sind vom Mülleimer in der großen Tonne – ohne Müllsackerl.

Eine weitere Idee wäre eine eigentlich sehr alte: meine Mama hat früher immer leere Plastikdosen von Tupperware mit in den Supermarkt genommen und die Feinkostabteilung gebeten, dort ihre Bestellung hineinzugeben. Warum auch nicht? Wieder Abfall reduziert.

Restaurant: „Ich kann nicht mehr!“ …Was nun?

Da werden die Restaurantbesitzer ganz schön schauen, aber ich ruf euch jetzt einfach dazu auf: nehmt mal eure unzähligen Dosen (ich weiß, jeder hat in seinem Haushalt genügend davon – egal ob von Ikea oder Tupperware) in einer Tasche mit ins Restaurant und packt etwaig übrig gebliebenes Essen in die mitgebrachten Dosen. Ich selbst weiß, dass ich immer wieder mal satt bis oben hin bin, aber wenn Essen weggeschmissen wird, blutet mein Herz. Für die Dosen-Aktion spüre auch ich selbst eine Hemmschwelle, aber wir können den Bergen von Pizzakartons, Alufolie oder im schlimmsten Fall Styroporschachteln Einheit gebieten! Mein Traum wäre es, wenn in ein paar Jahren bei Essensresten automatisch gefragt wird: „Haben’s a Frischhaltedosn mit?“ Ich würde zwar zu Beginn nicht gleich in einem gehobenen 5-Sterne Restaurant mit Plastikdosen aufkreuzen, aber ich bin überzeugt: Essen wegwerfen muss nicht sein, Müll anhäufen aber auch nicht!

Essen aus dem Kühlschrank vor Verfall retten

Diese Vorgehensweise ist für mich schon in Fleisch und Blut übergegangen. Wenn Zuhause die Frage aufkommt „Was essen wir heute?“ schau ich erst mal in den Kühlschrank und analysiere, was nicht mehr lange haltbar ist oder schon dringend verwertet werden muss. Die Zutaten, die am dringendsten wegmüssen, schlag ich im Internet mit dem Stichwort „Rezept“ nach und lass mich dann von Rezeptvorschlägen zu einer Mahlzeit inspirieren.

Eine weitere Idee wäre es z.B. ein oder zwei pinke Post-Its jeweils auf das am dringendsten zu verwertende Lebensmittel zu kleben. Wenn ihr dieses aus dem Kühlschrank nehmt, wandert es weiter zum nächsten Lebensmittel, dessen Verfall näher rückt.

Wenn mehr Lebensmittel verwertet werden müssen, als ihr essen könnt, ladet entweder spontan Nachbarn oder Freunde zum Essen ein oder kocht eben mehr und friert das eine oder andere Gericht ein (dazu sind mir persönlich Glasbehälter am liebsten). Es gibt sicherlich Tage, an denen die Motivation fehlt um den Kochlöffel zu schwingen. An solchen Tagen liebe ich meinen Tiefkühschrank.

Eine Freundin ist da noch effizienter: sie schreibt sich einen Menüplan für die ganze Woche, notiert sich alle dafür notwendigen Zutaten und macht einen entsprechenden Großeinkauf. Meine Lebensweise ist dafür ein bisschen zu chaotisch und eine herausragenden Köchin bin ich schon gar nicht. Die Idee finde ich jedoch genial für all jene, die ihr Leben so gut planen können.

Hofer hat vor kurzem ein sehr spielerisch aufgebautes Quiz erstellt, mit dem jeder testen kann, ob er zu den Lebensmittelrettern zählt. Seid ihr auch einer? Hier geht’s zum Quiz

Greenpeace hat eine Umfrage gestartet zu Lebensmittelverschwendung. Hier geht’s zur Umfrage. Mir persönlich ist durch die Umfrage nochmal bewusster aufgefallen, welche Maßnahmen ich bereits getroffen habe und wie mein Standpunkt aussieht.

Bauernmarkt statt mit Plastik zugepackt

Im Grazer Umfeld gibt es an allen Ecken und Enden Bauernmärkte. Hier kann man guten Gewissens mit Korb oder Stoffsackerl hingehen und verpackungsfrei einkaufen.

Mittlerweile gibt es aber auch schon einige Supermärkte, die ohne Verpackungen auskommen.  In Wien ist die z.B. Lunzers Maß-Greißlerei, in Innsbruck Liebe und Lose und in Graz Bioladen Matzer. Hier gibt es eine Übersicht über die Zero Waste Shops in Österreich.

Hygieneartikel – der große Müllproduzent

Ich persönlich bin nicht besonders erfreut wieviel Müll sich ansammelt durch Damen-Hygieneartikel. Außerdem finde ich auch die Windel-Müllberge erschreckend, die man als Eltern meist einfach hinnimmt.

Zirka 1.000 kg Windelmüll fallen im Laufe einer Wickelperiode (ca. 3 Jahre) an, der natürlich auch entsorgt werden muss.  (Quelle: www.awv.steiermark.at )

Ich habe mich um Alternativen umgesehen:

Stoffwindeln

Wer nun mit dem längst überholten Argument kommt „Wer tut sich das schon an – es gibt eh so tolle Wegwerf-Windeln“ oder befürchtet, dass es kompliziert ist, der hat sich mit den Entwicklungen in der Windel-Industrie definitiv noch nicht befasst. Es gibt hierfür Kennenlernpakete der verschiedenen Stoffwindeln und ich bin überzeugt, dass hierbei die meisten Anbieter gute Qualität herstellen. Ich habe mir Popolini-Windeln zugelegt und bin damit sehr zufrieden. In den Geschäften kann man sich hierzu auch sehr gut beraten lassen und die Funktionsweise kennenlernen. Der Mehraufwand? Jeden zweiten Tag Windeln waschen, das war’s. Unterm Strich kann man sich also das Geld für die vielen Wegwerfwindeln sparen. Der Kauf von Stoffwindeln wird übrigens finanziell mit dem Windelscheck unterstützt. Hier in Graz-Umgebung erhält man 100 Euro Unterstützung. Den Windelscheck bekommt man bei der Gemeinde oder beim Abfallwirtschaftsverband – hier gibt es weiter Infos. Noch ein großer Pluspunkt: Bei Stoffwindeln spüren Kinder, wenn sie nass ist. Studien zeigen, dass Kinder dadurch früher sauber werden.

Liebe Ladies: Hoch die Tassen!

Leider kann ich derzeit noch keinen Erfahrungsbericht zu den Menstruationstassen abgeben. Als ich mir meine zugelegt habe durfte ich vergeblich auf meine Periode warten – mein Baby kam mir da dazwischen und lässt mich auf meinen ersten Testlauf warten. Dafür sind meine Stoffwindeln-Erfahrungen praxisnah.

Der kleine feine Unterschied

Ideal ist es, die Müllvermeidung in den Alltag zu integrieren. Oft sind es auch nur Kleinigkeiten, die schon einen erheblichen Unterschied für die Umwelt machen:

  • Fahrgemeinschaften bilden
  • Jede Autofahrt in Frage stellen (kann man manches vielleicht zu Fuß/per Fahrrad erreichen oder kann man ein paar Tage abwarten und mehr Dinge pro Autofahrt erledigen um nicht täglich den Motor starten zu müssen?)
  • Bei Wareneinkäufen auf Verpackungen achten/verzichten (z.B. Papier statt Plastik, Pfandflaschen bei Getränken wie Mineralwasser oder Bier vorziehen)
  • Angebotene Sackerl beim Einkauf bewusst ablehnen und Klappkisten oder Stoffsackerl verwenden

Ich hoffe es sind einige praxisnahe Ideen für euch dabei. Wenn ihr möchtet, lasst mich an euren Erfahrungen teilhaben oder schreibt weitere Vorschläge als Kommentar!

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