Fehler mit Fehler rechtfertigen? Bitte nicht!

mit Kind im Zug

Ich schreibe gerne über Foto-Inspirationen, DIY-Projekte, nachhaltigen Lebensstil usw., aber heute beschäftigt mich etwas anderes: Ich bin eine sehr lösungsorientierte Person, die an das Gute im Menschen glaubt. Bei einer Reise mit dem Zug nach Italien kam ich jedoch in eine unangenehme Situation, die ich nun erzählen möchte…

Wir (mein Mann, unser 2-jähriges Kind und ich) sind per Zug von Graz zum Marathon nach Florenz gefahren. Ich habe mich so gefreut, dass wir von der Haustür zum Zug gehen konnte und (nach zweimal Umsteigen) den Nachtreisezug als umweltfreundlichen Anreiseweg wählen konnten. Auch für die Rückreise haben wir einen Nachtreisezug gebucht. Nach intensiver Recherche haben wir uns vorab für ein Privatabteil in einem Sitzwagen entschieden, d.h. sechs Sitze, wobei sich drei und drei immer gegenübersitzen. Diese kann man mit der Sitzfläche zusammenschieben, sodass man eine ebene Fläche zum schlafen hat. Perfekt für uns drei. Wir waren auch gern bereit pro Strecke dafür € 99,- zu zahlen.

Durch ein paar Infrastruktur-Probleme mussten wir einen Zug von Florenz bis Bologna besteigen um von dort weg mit dem Nachreisezug weiterzukommen. Bei der Heimfahrt war es zu diesem Zeitpunkt bereits nach 22 Uhr. Unser Kind war auf dem Weg nach Bologna schon sehr erschöpft und quengelig, aber wir haben es gut hinbekommen und freuten uns schon auf unser Abteil im Nachtzug. Am Bahnhof in Bologna hatten wir noch kurz Zeit um Zähne zu putzen und Windeln zu wechseln und dann in Ruhe unser Abteil zu finden. Wie gesagt: es war schon sehr spät und wir waren absolut bettreif. Nach kurzer Suche fanden wir unser Abteil und es saßen vier Leute drinnen, die es sich bereits gemütlich gemacht hatten und das Licht abgedreht um offensichtlich in Ruhe gelassen zu werden. Es waren in den vorgesehenen Tafeln leider nirgends die Reservierungen klar deklariert, aber sowas kann ja immer wieder mal sein, dass es trotzdem Reservierungen gibt und es war eindeutig unser reserviertes Abteil.

Interessiert uns nicht!

Ich hab die Tür also (mit Kind am Arm) geöffnet und höflich erklärt, dass wir dieses Abteil reserviert haben. Auch wenn diese Personen sicher auch erschöpft waren, ging ich davon aus, dass sie unseren Platz gleich freigeben. Dies war aber nicht der Fall. Sie meinten, Sie hätten auch reserviert, aber ihre eigenen Plätze seien besetzt. Es wurden Wörter wie „Überbuchung“ und „die ÖBB ist Schuld“ in den Mund genommen. Sie haben es sich schon gemütlich gemacht und sind absolut nicht bereit hier mehr wegzugehen. Wir holten unsere Reservierung hervor, aber das interessierte sie nicht. Ich wollte wissen, ob sie auch ein Privatabteil gebucht hatten, denn dann können wir zur Not in ihr Abteil gehen. Dies wurde bejaht, aber sie meinten, ihr Abteil sei ebenfalls besetzt und die Leute hätten angeblich Reservierungen für die gleichen Plätze wie sie selbst. Vier eigentlich erwachsene Personen ohne Einsicht oder Verständnis, geschweige denn Motivation, das Problem zu lösen. Sie ließen uns einfach vor dem Abteil stehen.

In diesem Moment riss mir endgültig der Geduldsfaden. Ich bin fuchsteufelswild hinaus aus dem Zug um mir Hilfe zu holen, denn ich war zu müde und emotional viel zu aufgebracht, um hier selbst schlichten zu können und wählte den Weg eines unbeteiligten Dritten, sprich: ein Schaffner sollte uns helfen um den Anspruch auf unser bezahltes Abteil gültig zu machen. Ein Schaffner kam dann bald zu uns und versuchte erst einmal zu erkennen, wo das Problem liegt. Es war ja recht verwirrend – eine Familie mit Kleinkind steht vor einem für sie reservierten Abteil und dieses wird von vier Erwachsenen mit irgendeiner anderen Reservierung besetzt.

Ich war so am Ende meiner Kräfte, dass ich nicht auch noch mit den Leuten sprechen konnte, die im anderen Abteil waren – dies übernahm nun der Schaffner. Im Endeffekt stellte sich heraus, dass diese eine Reservierung für nur einen Sitz in diesem Abteil hatten und diese mehrfach ausgedruckt hatten. Die vier Personen, die unser Abteil besetzt hatten, hatten in ihrem Abteil eigentlich nur vier Plätze reserviert, aber kein ganzes Abteil, also alle sechs Plätze, so wie wir. Einer der Schaffner (es waren mittlerweile schon drei gekommen, um die Situation zu schlichten), erklärte den Leuten in unserem Abteil, dass es für dieses Abteil hier in erster Linie einmal eine ganz klare Reservierung für die Familie mit Kleinkind gibt, also uns. Er bat die Personen höflich und bestimmt erst einmal aus dem Abteil zu kommen und uns dieses endlich zu überlassen. Es war ja ganz klar für uns reserviert und wir hatten es bezahlt. Einsicht? Nein. Die vier Personen blieben sitzen und weigerten sich zu gehen, solange sie kein eigenes Abteil bekommen.

Ich bemühe mich hier beim Erzählen eine respektvolle Wortwahl beizubehalten, obwohl mich diese Situation innerlich vor Wut zum Kochen brachte und mir irgendwann nur noch Tränen über die Wangen rollten über soviel Gehässigkeit, Uneinsichtigkeit und stures, selbstsüchtiges Verhalten. Doch so sehr mich das ganze beschäftigte und ich innerlich kochte: ich frage mich ernsthaft, wie ein solches Verhalten geändert werden kann. Ich will es nicht einfach hinnehmen und ich will auch nicht Feuer mit Feuer bekämpfen. Ich bin nur sehr, sehr traurig und enttäuscht darüber, dass Menschen so selbstsüchtig handeln.

Ein Leben mit Kind eröffnet soviel neue Perspektiven und Blickwinkel. Kinder sind ehrlich, strahlen, bringen Freude. Es ist herrlich zu beobachten, wie diese Freude anstecken kann. Das Umfeld freut sich mit einem und die Welt wird ein Stückchen schöner. Gerade in Italien spürt man permanent, wie sehr Kinder geliebt werden und wie herzlich jeder mit ihnen umgeht. Diese Situation im Zug jedoch hat mich auf bittere Weise ernüchtert – es war das erste mal, dass ich, sozusagen trotz Kind, so herablassend behandelt wurde.

Ich war und bin nach wie vor tief gekränkt, weil ich bei meinen Handlungen immer Vorbild sein will für mein Kind und wenn ein Kind eine solche Situation miterleben muss: was lernt es daraus? Die Grundhaltung auf die wir hier trafen ist es, die mir Sorge bereitet: jemand macht einen Fehler (ich gehe davon aus: definitiv unabsichtlich) und ein weiteres eigenes Fehlverhalten (in diesem Moment dann: böswilliges) wird durch Fingerzeigen auf andere gerechtfertigt? Bitte bitte bitte nicht. Wirklich! Bitte nicht!

Mein Herzenswunsch wäre wirklich, dass wir aufhören anderen Menschen Böswilligkeit zu unterstellen. Ich würde mich so freuen, wenn der gegenseitige Respekt vor jedem Einzelnen wachsen würde, egal woher er oder sie kommt, wie alt man ist,…

Wie ging es aus?

Wie es nun ausging fragt ihr euch? In einem Nachtzug kann man damit rechnen, dass wohl so gut wie jeder eine Reservierung hat (auch wenn versehentlich einmal jemand nur einen Platz reserviert hat und mehrfach für seine Mitreisenden ausdruckt) und daher fand ich es kein Drama, dass die Reservierungen nicht an den Kabinen außen angebracht waren – sowas ist einfach Pech. Die Bediensteten der ÖBB (oder trenitalia…wer auch immer uns da zur Seite stand) waren stets ruhig und freundlich und dafür bin ich sehr dankbar. Es ist nämlich sicher nicht leicht mit solchen Situationen um halb elf Uhr Nachts konfrontiert zu werden. Die vier Personen im Abteil bekamen ihren Wunsch erfüllt und durften unser Abteil besetzt halten. Keine Entschuldigung, keine Einsicht. Wir wurden in einen weiteren Wagon geführt und der Schaffner klopfte in zwei Abteilen an, bis eine Dame ohne irgendwelche Diskussionen oder einen Aufstand ihren (reservierten) Platz aufgab, damit wir mit unserem Kind ein eigenes Abteil zum schlafen hatten. Ich bin dieser Frau so dankbar! Ich habe mich eine zeitlang gefragt, ob ich schreiben soll, woher all die Beteiligten kommen, mit denen wir hier zu tun hatten, aber habe mich eindeutig dagegen entschieden – es wäre erneut ein Niveau, auf das ich bewusst nicht gehen will. Es geht um Menschen und nicht um Länder/Bundesländer/etc.

Ich bin froh, dass ich das Erlebte nun einmal niederschreiben konnte. Mein Mann hat in der Situation immer wieder versucht mit den Leuten zu reden und da kam auch nur raus, dass sie sich bei allen möglichen Stellen beschweren werden, weil sie auch bei der Hinfahrt schon Probleme hatten.

Obwohl ich nach wie vor erschüttert bin über soviel Selbstsucht, versuche ich trotzdem die Hoffnung zu bewahren, dass sich unsere Welt zum Guten ändern kann – wo unsere Kinder ihre Freude bewahren können, mit sich selbst im reinen sein können und in denen gute Beispiele vorgelebt werden. In denen Schaffner weiterhin einen klaren Kopf bewahren und sich Menschen respektvoll behandeln und füreinander da sind. Eines meiner persönlichen Lebensmotto dazu: Sei die Veränderung, die du dir für diese Welt wünscht.

Interessant? Freut mich! Dann teile es mit der Welt:

2 Replies to “Fehler mit Fehler rechtfertigen? Bitte nicht!”

  1. Martina und,, mir wär e ss wie dir ergangen. Ich kann au h nicht verstehen, wenn ich so ungerecht behandelt werden! Schade, dass ein wundervolles WE so endet!!

    1. Ja, war schade so etwas am Ende der Reise zu erleben…aber das ganze nieder zu schreiben ist ein gutes Gefühl… schön, wenn es dann auch noch interessiert gelesen wird. Sollte ich wieder in eine ähnliche Situation kommen, weiß ich zumindest besser damit umzugehen und zu agieren. Idealerweise kommen solche Situationen aber irgendwann nie mehr vor 😀

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